Die im folgenden zusammengefaßten Haltungsrichtlinien für Molche und Salamander wenden sich vor allem an zwei Zielgruppen:
Vorbemerkungen
Die zur Wirbeltierklasse der Amphibien zählenden Schwanzlurche (Urodela oder Caudata) umfassen ca. 350 Arten, die ganz überwiegend auf die Nordhalbkugel (Asien, Europa und Amerika) beschränkt sind.
Im allgemeinen durchlaufen Amphibien einen zweiphasigen Lebenszyklus: Nach der Paarung am oder im Wasser werden dort Eier abgelegt. Die schlüpfenden Larven (bei Froschlurchen Kaulquappen genannt) leben eine Zeit lang im Wasser, durchlaufen anschließend eine Umwandlung (Metamorphose), verlassen das Wasser und leben fortan an Land. Das Wasser wird in der Folge meist nur noch zur Paarung und/oder Eiabalge aufgesucht.
Die beiden Lebensraumkomponenten Wasser und Land bestimmen auch gleichzeitig die beiden Haltungstypen — Aquarium und Terrarium —, die zur Pflege von Schwanzlurchen benötigt werden. Von rein aquatilen Arten (Aquarium), finden wir alle Übergänge einer semi-aquatischen bis semi-terrestrischen Lebensweise (Aqua-Terrarium) bis zu rein terrestrischen Arten (Terrarium), die selbst für die Larvalentwicklung kein Wasser mehr benötigen.
Im folgenden werden allgemeine Haltungsrichtlinien für Molche und Salamander formuliert. Sie enthalten ausdrücklich keine speziellen, artspezifischen Richtlinien, wie die einzelnen Arten zu züchten sind. Diese Informationen muß sich der Interessierte und Pfleger aus der Fachliteratur und über fachspezifische Vereinigungen besorgen (siehe Literatur und Adressen).
Nachfolgend werden 6 wichtige Kriterien für die Haltung von Schwanzlurchen (= Grundbedürfnisse) zusammengefaßt, anschließend 3 grundlegende Aquarien- und/oder Terrarientypen definiert und diesen häufig gehaltene Arten zugeordnet.
1. Behältergröße
Als Faustformel für adulte und gesunde Tiere, die länger in einem Aquarium/Terrarium untergebracht werden, läßt sich die Behältergröße folgendermaßen ermitteln:
GL (T) in cm x 0,01 = Gf in qm
Gesamtlänge des Tieres (in cm x 0,01 = Grundfläche des Terrariums für 2 Tiere (in qm). Diese Fläche ist pro weiterem Tier x 1,25 zu nehmen.
Die Höhe sollte 1/3 bis 1/2 der Länge des Terrariums betragen. Bei baum- und höhlenbewohnern Arten, sind die Maße entsprechend in der Höhe zu verwenden.
Beispiel: GL eines Tieres ca. 10 cm, z. B. Molche der Gattung Triturus (Teichmolch, Bergmolch) oder Cynops (Feuerbauchmolch):
10 x 0,01 = 0,1 qm (entspricht 40 x 25 cm Grundfläche für ein Paar)
0,1 qm x 1,25 = 0,125 qm (entspricht ca. 40 x 30 cm Grundfläche für 3 Tiere)
Wichtige Anmerkung: Die oben formulierte Faustformel gibt einen Durchschnittswert an, der weder als Mindestgröße noch als Optimalwert angesehen werden kann. Larven oder Jungtiere können durchaus in kleineren Behältnissen gepflegt werden, adulte Wassermolche während der Landphase oder in der Überwinterung ebenfalls. Auch der Transport der Tiere oder zeitlich begrenzte Ausstellungen können in kleineren Behältnissen durchgeführt werden.
Eine dichtschließende Abdeckung (ein mit Gaze bespannter Rahmen oder Glasscheibe, siehe auch Punkt 2.) muß sicherstellen, daß keine Tiere entkommen können: Schwanzlurche können an Glasscheiben senkrecht emporsteigen!
2. Klima (Temperatur, Feuchtigkeit, Frischluft)
Grundsätzlich gilt, daß der Jahresgang der Temperatur möglichst den Gegebenheiten im Vorkommensgebiet der Tiere entsprechen sollte. Viele wichtige Lebensäußerungen der Schwanzlurche (z. B. Balz, Eiablage, Überwinterung) sind an von außen kommende Zeitgeber angepaßt und unterliegen einer vor allem durch Licht und Temperatur gesteuerten Jahresrhythmik.
Die Haltung adulter Tiere ist in einem relativ breiten Temperaturbereich möglich, sollte aber normale Zimmertemperaturen (bis max. ca. 24 °C), auch im Sommer, nicht überschreiten. Läßt man spezifische Überwinterungsbedürfnisse unberücksichtigt, lassen sich viele Schwanzlurche am besten zwischen 15 °C und 20 °C halten.
Die Punkte Feuchtigkeit und Frischluft sind eng mit Punkt 3 (Verstecke etc.) verknüpft. Aus den Komponenten Bodengrund, Verstecke, Abdeckung und Belüftung ergeben sich die unterschiedlichen Feuchtigkeitsgradienten in einem Terrarium, die für die Haltung aller Arten unabdingbar sind.
Folgende Regel sollte beachtet werden: Je kleiner der Luftraum in einem Terrarium, desto mehr muß auf gute Belüftung (Abdeckung mit Gazedeckel, nicht mit Glasscheibe!) geachtet werden. Gleichzeitig muß ein ausreichend feuchter Bodengrund auch für Verstecke mit hoher Luftfeuchtigkeit sorgen.
3. Einrichtung (Verstecke, Pflanzen etc.)
Ein Terrarium muß mit verschiedensten Versteckmöglichkeiten für die Tiere ausgestattet sein. Die Einrichtung eines Terrariums verfolgt dabei zwei Ziele:
Neben der Bereitstellung von Verstecken und Aufenthaltsmöglichkeiten werden gleichzeitig unterschiedliche Klimazonen mit verschiedenen Feuchtigkeitsgradienten geschaffen (siehe auch Punkt 2). Es soll eine genügend goße Anzahl von Versteckmöglichkeiten vorhanden sein, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen und unterschiedlich feuchte oder trockene Plätze aufsuchen können. Bodengrund und Verstecke können aus verschiedensten Substraten/Materialien bestehen, wie z. B. Gartenerde, Lehm, Kies, Steinplatten, Korkrinde, Schaumstoff, Moospolster etc. Pflanzen gehören nicht zu den unbedingt notwendigen Bestandteilen, können aber eine gewisse dekorative Rolle spielen.
Die Einrichtung eines Aquariums für Wassermolche kann von der Einrichtung eines Terrariums deutlich verschieden sein. Hier kann z. B. auf Bodengrund ganz verzichtet werden und Wasserpflanzen oder Unterwassermoose können eine größere Rolle spielen.
4. Licht
Neben der Temperatur werden die Lebensäußerungen (Jahres- und Tagesaktivität) der Schwanzlurche auch vom Lichtangebot gesteuert. In der Regel vertragen Schwanzlurche kein direktes Sonnenlicht (der Behälter wird zu warm, siehe Punkt 2). Ein schattiger Fensterplatz oder eine über eine Zeitschaltuhr gesteuerte Lichtquelle, die die natürlichen Hell-Dunkel-Verschiebungen im Jahresverlauf nachahmt, müssen gewährleistet sein. Eine künstliche Lichtquelle darf keine zusätzliche Heizung darstellen.
5. Futter
Schwanzlurche sind Räuber und im allgemeinen Nahrungsgeneralisten, d.h. sie fressen alles, was sie überwältigen können. Das bedeutet auch, daß große Tiere im allgemeinen größere Beute fressen als kleinere. Je abwechslungsreicher das Futter, desto besser.
Häufig verwendete Futtertiere, die selbst gesammelt werden können: Regenwürmer, Nacktschnecken, Asseln, versch. Insekten oder Spinnentiere; im Wasser: Mückenlarven, Wasserflöhe, Bachflohkrebse, versch. Insektenlarven.
Häufig verwendete Futtertiere, die gekauft oder selbst gezüchtet werden können: Regenwürmer, Heimchen, Grillen, Mehlwürmer, Fliegenmaden, Enchyträen; im Wasser: Mückenlarven, Tubifex, Wasserflöhe.
Wie häufig gefüttert werden muß, hängt auch von der Jahreszeit, sprich Temperatur ab. Im allgemeinen sollten adulte Tiere 2-3mal pro Woche gefüttert werden, Jungtiere noch häufiger; sie und Larven sollten ständig Futter zur Verfügung haben.
Gibt man vorwiegend gezüchtetes Futter, sollten die Futtertiere mit einem der handelsüblichen Vitamin- und Aufbaupräparate bestäubt werden. Im Winter kann man auch tiefgefrorenes Futter verwenden; viele wasserbewohnende Molche und Salamander nehmen es problemlos.
6. Sauberkeit
Schwanzlurche haben eine empfindliche Haut. Bei der Konzeption und Einrichtung der Aquarien/Terrarien sollte immer die spätere Pflege und Unterhaltung der Behälter berücksichtgt werden. Möglichst einfach auszuräumende Gegenstände und eine übersichtlich gestaltete Einrichtung erleichtern die notwendige Reinigung.
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Behältertypen und -varianten, um den artspezifischen Ansprüchen der Spezialisten gerecht zu werden. In den hier vorgestellten allgemeinen Haltungsrichtlinien können auch nur allgemein gehaltene Behältertypen vorgestellt werden.
Grundsätzlich werden 3 Grundmodelle unterschieden:
in denen alle Schwanzlurche gehalten werden können (siehe Vorbemerkungen). Insbesondere das Aqua-Terrarium, mit seinen verschiedensten Variationen zwischen Land- und Wasserteil, ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlicher Haltungsbedingungen.
Typ A: Aquarium
Dient zur Haltung rein aquatiler Schwanzlurche oder zur Aufnahme von Schwanzlurchen, die periodisch und für einen längeren Zeitraum (mehrere Wochen bis Monate) das Wasser zur Paarung und Fortpflanzung aufsuchen. Tiere, die unter natürlichen Bedingungen einen Lebensraumwechsel zwischen Wasser und Land vollziehen, lassen sich nicht selten ganzjährig im Aquarium halten. Neben bestimmten Einrichtungsgegenständen ist grundsätzlich anzuraten, durch einen Steinaufbau, Kork oder andere Materialien, den Tieren einen Wasserausstieg zu ermöglichen.
Beispiele:
Vertreter der Gattung Triturus (Wassermolche), z. B. Teichmolch (T. vulgaris), Bergmolch (T. alpestris), Kammolch (T. cristatus), Marmormolch (T. marmoratus). Sie lassen sich über mehrere Wochen bis Monate im Aquarium halten (Fortpflanzungszeit), benötigen für den Rest des Jahres ein Terrarium (Typ C).
Feuerbauchmolch (Cynops phyrrogaster und andere Cynops-Arten) - wie Triturus
Nordamerikanische Wassermolche (Taricha sp., Notophtalmus sp.) - wie Triturus
Rippenmolch (Pleurodeles waltl)
Ostasiatische Wassermolche (Pachytriton sp., Paramesotriton sp.)
versch. neotenische (= adulte, fortpflanzungsfähige Tiere behalten ihre äußerlich sichtbaren Kiemen) Arten aus den Gattungen Pseudobranchus, Siren, Amphiuma, Necturus, sowie der Axolotl (Ambystoma mexicanum)
(Anmerkung: Aus den angeführten Gattungen Triturus, Cynops, Taricha oder Notophtalmus lassen sich eine Reihe von Arten auch ganzjährig im Aquarium halten und züchten; dazu gehören z. B. Triturus italicus, T. boscai, T. karelinii, T. carnifex, C. phyrrogaster, C. ensicauda, Taricha granulosa, Notophtalmus viridescens)
Typ B: Aqua-Terrarium
Dient zur Haltung von Tieren, die häufiger zwischen Wasser und Land wechseln. Der am wenigsten eingrenzbare Haltungstyp mit einer Vielzahl von Variationsmöglichkeiten.
Beispiele:
Viele Bachrandsalamander: Gattungen: Desmognathus, Eurycea, Plethodon, Chioglossa, Euproctus
Viele Winkelzahnmolche (Salamandrella keyserlingii, Hynobius sp.)
Viele Winkelzahnmolche (Salamandrella keyserlingii, Hynobius sp.)
Persische Bachsalamander (Neurergus sp.)
Typ C: Terrarium
Dient zur Haltung von überwiegend terrestrisch lebenden Tieren, die entweder überhaupt kein offenes Wasser benötigen oder über einen längeren Zeitraum (mehrere Monate) an Land gehalten werden müssen. Grundsätzlich sollte sich im Terrarium aber immer eine kleine Wasserschale befinden, die den Tieren die direkte Aufnahme von Feuchtigkeit gewährleistet, aber nicht die Gefahr des Ertrinkens hervorruft.
Beispiele:
A: Tiere, die ganzjährig im Terrarium gehalten werden können:
Feuersalamander (Salamandra salamandra) - benötigt einen kleineren Wasserteil zur Larvenablage,
Alpensalamander (Salamandra atra),
Lykischer Salamander (Mertensiella luschani),
verschiedene nord- und mittelamerikanische lungenlose Salamander der Gattungen Plethodon, Bolitoglossa, Batrachoseps etc.,
die meisten Querzahnsalamander der nordamerikanischen Gattung Ambystoma (z. B. A. tigrinum).
B: Tiere, die periodisch (über mehrere Monate) im Terrarium gehalten werden können:
Vertreter der Gattungen Triturus, Cynops u. a. außerhalb der Laichzeit (= Wasserphase, siehe unter Typ A Aquarium)
Literatur (Bücher):
Große, W.-R. (1994): Molche und Salamander. - Urania Verlag
Herrmann, H.-J. (1994): Das Terrarium für den Anfänger. - Tetra Verlag
Herrmann, H.-J. (1994): Amphibien im Aquarium. - Ulmer Verlag
Literatur (Zeitschriften):
Nur über Aufsätze in populär oder wissenschaftlich ausgerichteten Zeitschriften lassen sich weitergehende Kenntnisse zur Haltung von Molchen und Salamandern erwerben. Hier finden sich auch Berichte über Nachzuchten und besondere technische Einrichtungen.
Salamandra, elaphe, Mertensiella (alle drei Zeitschriften werden herausgegeben von der „Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V." (DGHT), Postfach 1421, 53351 Rheinbach.
Weitere Zeitschriften: herpetofauna, Sauria, Lacerta, Reptilia, DATZ, TI Magazin
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