Winkelzahnmolch - Pachyhynobius shangchengensis
Pachyhynobius shangchengensis
Foto: Dr. B. Thiesmeier
Pachyhynobius shangchengensis
Foto: Dr. B. Thiesmeier

Die nachfolgende Beschreibung zu den Tieren die ich als Hynobius amjiensis pflege bedarf wohl noch einer 100%igen sicheren Bestimmung um eine andere Artzugehörigkeit völlig auszuschließen. Dazu macht es sich sicherlich erforderlich zuverlässiges Vergleichsmaterial zur Verfügung zu haben, oder wenigstens verläßliche Dokumentationen über diese Art. Dankenswerter Weise übernahm Dr. Burkhard Thiesmeier die Bestimmung der Tiere, welcher auch Fotos anfertigte und Daten der Verbreitung zur Verfügung stellte, möchte die Einordnung und vorläufige Bestimmung des im Bild gezeigten Molches als Diskussionsbeitrag verstehen und gleichzeitig um weiterführende Hinweise zur Bestimmung der Art bitten. Zur Bestimmung wurde u. a. Zhao & Adler herangezogen. (Nach Aussagen von japanischen Freunden sind die im o. g. Buch gezeigten Bilder mit den Unterschriften nicht stimmig. Da ist es für uns Mitteleuropäer natürlich nicht ganz einfach eine zielgerichtete Bestimmung der in Deutschland befindlichen Tiere vorzunehmen. Deshalb könnte es sich auch um Pachyhynobius handeln. Diese Aussage ist allerdings ebenso vorsichtig einzustufen wie die Vermutung das es sich um H. amjiensis handeln könnte.) Ein wesentlicher und ausschlaggebender Bestandteil der Bestimmung dürfte wohl auch die Größe der Tiere sein.

Vorkommen:

Pachyhynobius shangchengensis kommt in drei chinesischen Provinzen vor: im Südosten von Henan, im Osten von Hubei und im Westen von Anhui. Die Typuslokalität liegt in der Provinz Henan im Distrikt Shangcheng auf 780 m Höhe.

Größe:

über Weibchen 16 cm, über Männchen 17 cm

Geschlechtsunterscheidungsmerkmal:

Die Weibchen sind nach meinen Beobachtungen etwas kleiner, ca. 1 cm. Die Schwanzschneiden bei den Männchen sind wesentlich stärker ausgebildet. Die Kloake hat eine längliche Form und erscheint beim Männchen kürzer (?). Die Männchen besitzen einen wuchtigeren und breiteren Kopf. Der Kopf erscheint rundlich. Auch tritt die Kiefermuskulatur bei den Männchen wesentlich stärker hervor, respektive ist sie wesentlich stärker ausgebildet wie bei den Weibchen. Die Kehlfalte ist beim Männchen stärker ausgebildet und erscheint heller wie beim Weibchen.

Beschreibung:

Die Winkelzahnmolche zeichnen sich zum einem durch ihre beachtliche Körpergröße und zum anderem auch durch ihren sehr kräftigen Körperbau aus. Im Gegensatz zu anderen Hynobius, die in aller Regel etwas klein und schmächtig gegenüber den wenigen größeren Vertretern der Gattung erscheinen, handelt es sich bei diesen Tieren um recht stattliche Vertreter seiner Gattung und sehen äußerst interessant aus. Die Haut ist glatt und glitschig. Die Tiere sind nur sehr schwer zu händeln. Wenn man die Molche fest in der Hand hält, sondern sie ein leicht klebendes Sekret ab, welches sich aber problemlos wieder abwaschen läßt. Die Oberseite ist in verschiedenen Brauntönen gehalten. Die farbliche Nuancierung weicht etwas ab und kann von Tier zu Tier etwas verschieden sein. Zusätzlich finden sich unregelmäßige dunkelbraune bis schwarze Flecken auf der ganzen Körperoberseite die ich als eine Art Marmorierung beschreiben möchte, welche sich zum Körperende nur etwas verjüngt. Der Bauch ist ein bißchen heller gefärbt, behält aber den Braunton bei, tendiert wohl zu einer etwas verwascheneren Farbnuancierung. An den Vorderfüßen sind vier und an den Hinterfüßen fünf Zehen vorhanden. Die Zehenspitzen der Vorderfüße sind heller. An den Vorder- und Hinderfüßen sind deutlich dunkle Krallen erkennbar. Die durchschnittlich, eher als klein zu bezeichnenden Augen treten deutlich hervor und sind von einem geschlossenem Lid eingeschlossen. Die Augen haben eine dunkle Farbe. Der Irisrand ist heller. Das Lid entspricht der Farbe der Körperoberseite und weist keine Zeichnungsmerkmale auf. Der Körper erscheint sehr kräftig, auch etwas gedrungen, walzenförmig. Der Übergang vom Körper über die Schwanzwurzel zum erst Drittel des Schwanzes ist fast gleichbleibend. Das erste Schwanzdrittel ist drehrund. Der Schwanz ist sehr kräftig. Der Schwanz erreicht nicht die Länge des Körpers. Interessant ist die Schwanzform. Beim Männchen beginnt die Schwanzschneide nach dem ersten Schwanzdrittel plötzlich sehr stark anzusteigen, die Schwanzschneide verbreitert sich und läuft halbrund bis spitz aus. Die "ursprüngliche" Schwanzform ist sehr gut erkennbar. Beim Weibchen beginnt die Schneide ebenfalls im ersten Schwanzdrittel anzusteigen, verbreitert sich aber nicht in diesem Maße. Beim Männchen erinnert die Schwanzschneide an ein Paddel. Beide Geschlechter besitzen an den Körperseiten 12 Seitenfurchen. An der Kehle ist eine deutliche Hautfalte vorhanden, welche beim Männchen stärker ausgebildet ist und heller ist. Der Kopf ist breit und massiv und deutlich vom Hals abgesetzt. Auf dem Ober- und Unterkiefer befindet sich jeweils eine Reihe deutlich erkennbare Zahnreihe. Die Zähne sind mit bloßem Auge erkennbar. Die Lippen der Tiere sind etwas wulstig. Die Gliedmaßen sind sehr kräftig ausgebildet mit gut entwickelten, aber kurzen und starken Finger versehen. Die Kloake ist heller, fast ein schmutziges weis.

Verhalten/Pflege:

Den vier Tieren, vermutlich 2;2, wurde zur Eingewöhnung ein Aquaterrarium mit 50% Land- und 50% Wasserteil geboten. Der Anstieg zum Land verlief verjüngend. Auf dem Landesteil befindet sich Moos, Laub, Rindenstückchen und Pfennigkraut. Unterschiedliche Feuchtigkeitsstufen wurden durch die Aufeinanderschichtung der Rindenstücke geboten. Das Wasserteil wies eine Wassertiefe von bis zu 6 cm auf. Im Wasserteil befinden sich große und schwere Steine die durch die Übereinanderschichtung Versteckmöglichkeiten bieten. Auf den Boden wurde mittel großer Kies eingebracht. An Wasserpflanzen wurden nur Schwarzwurzelfarn im Uferbereich und Wasserpest eingebracht. Alle vier Tiere wurden sorgfältig auf dem Landesteil des Behälters eingesetzt. Die Tiere suchten selbständig das Wasserteil auf und haben es bis heute, bis auf eine einzige Ausnahme, freiwillig nicht wieder verlassen. Hin und wieder hält sich das eine oder andere Tier einmal kurz in der Uferregion auf. Das Landesteil wurde auf 1/4 der Gesamtterrarienfläche verringert. Der Wasserstand wurde auf bis zu 9 cm erhöht. Die Tiere halten sich tagsüber versteckt unter bzw. zwischen den großen Steinen auf. Mehrmals am Tag kommen die Molche an die Wasseroberfläche und schnappen nach Luft. Dabei verursachen sie ein schmatzendes Geräusch und es bilden sich mittel große Luftblasen an der Wasseroberfläche. In der Nacht werden die Molche aktiv und bewegen sich sehr gemächlich und ruhig durch das Wasserteil. Die Temperaturen betragen ca. 15°C mit einer minimalen Temperaturabsenkung in der Nacht. Der Behälter steht in unmittelbarer Nähe zweier nach Norden ausgerichteten Fenster. Eine extra Beleuchtung wird nicht geboten. Da die Tiere bei dieser Hälterungsform eine nur sehr eingeschränkte Aktivität erkennen ließen, veränderte ich die Einrichtung nach 14-tägiger Pflege. Ich erhöhte den Wasserstand auf bis zu 12 cm. Das kleine Landesteil wurde beibehalten. Im Wasserteil befinden sich Steinaufbauten mittels sehr großen und schweren Steinen, die bis über die Wasseroberfläche hinausragen. Der vordere Wasserteil wurde frei gelassen. Die Tiere halten sich nunmehr in der flacheren Uferregion auf, ohne das Wasserteil zu verlassen. Auf Grund der Körperform schloß ich darauf das es sich bei den Tieren um Fließwassertiere handeln könnte. Allerdings läßt mich die Körperform auch darauf schließen das es wiederum keine sehr stark an Fließwasser gebundene Molche sind. Mittels eines Ausströmsteines sorge ich nunmehr für eine Wasserumwälzung. Die Wasserumwälzung wird über eine Zeitschaltuhr gesteuert und wird im Abstand von 15 min. aktiviert bzw. deaktiviert. Darauf hin veränderte sich das Verhalten der Molche. Die Tiere sind jetzt auch tagsüber aktiv und schwimmen auch durch den tieferen Wasserteil. Hin und wieder suchen die Molche auch die Nähe des Ausströmsteines auf und plazieren die Schnauze oder den Kopf direkt neben den Stein. Die Tiere kriechen bzw. schwimmen auch mit dem gesamten Körper über den Ausströmstein hinweg. Nachts erfolgt keine Wasserumwälzung. Die Wasserpflanzen habe ich entfernt. Einige Tiere habe ich im Sommer in meinem Garten untergebracht. Die Tiere befanden sich in einer Badewanne, ohne Landteil auf einem Terrazoboden. Die Wassertemperatur betrug max. 18°C. Ein Paar dieser Tiere habe ich im Oktober in mein Molchzimmer überführt um die bevorstehende Überwinterung einzuleiten. Ende Oktober, Wassertemperatur 12°C, bemerkte ich bei den zwei Tieren ein auffälliges Interesse am jeweils anderem Geschlecht. Es könnte so ausgesehen haben als ob sich die Molche anschickten in Paarungsstimmung zu kommen. Folgendes Verhalten habe ich beobachtet. Die Tiere bewegten sich gemächlich im Aquarium. Das Weibchen blieb vor dem Männchen stehen worauf hin das Männchen ganz interessiert das Weibchen beschnupperte. Das Männchen fing darauf hin an mit seinem Schwanz zu wedeln, allerding ohne ihn einzuschlagen. Das Männchen interessierte sich nunmehr auch für die Kloake und schob seinen Kopf unter die Kloake des Weibchens. Das Schwanzwedeln war sehr rhytmisch, aber auch nicht sonderlich schnell und eher schwerfällig. Das Weibchen entfernte sich und kam einige Zeit später wieder zurück oder die beiden Molche trafen sich an einer anderern Stelle des Beckens wieder und das Ritual ging von vorn los. Darüberhinaus schob der Mann seinen Kopf auch unter den Bauch des Weibchens wenn der Kontakt lange genug andauerte. Dabei bewegte der Mann nun mehr auch seinen gesamten Körper, vom Schwanz beginnend, in dieser wedelnden Weise. Eine direkte Paarung konnte ich nicht beobachten. Eine Eiablage wie sie bei Hynobius üblich ist, konnte ich allerdings auch noch nicht feststellen. Das Männchen hatte auch keinen sonderlich ausgebildeten Schwanz wie es auf den Bildern ganz unten zu sehen ist. Zur Zeit dieser "Paarungsaktivitäten" war Vollmond.

Nahrung:

Der Größe der Molche entsprechend können die Tiere recht große Futterbrocken erbeuten und verzehren. So werden zum Beispiel große, ausgewachsene Laubwürmer innerhalb weniger Sekunden verzehrt. Darüber hinaus wurden fast ausgewachsene Heimchen verputzt, in Streifen geschnittene Stinte, mittlere Schaben (Blaberus), Wachsmottenmaden und Kellerasseln. Die Futtermenge wird von mir aus begrenzt. Die Futtergabe erfolgt nur ein bis zweimal wöchentlich.

Zusammenfassung/Diskussion:

Bei den Tieren handelt es sich vermutlicher Weise um Wildfänge aus China (?) die über die Vereinigten Staaten nach Deutschland gekommen sind. Die Tiere habe ich im Januar 1999 von einem deutschen Großhändler übernehmen können. Der genaue Fundort läßt sich wie bei allen anderen Importtieren bedauerlicher Weise nicht mehr dokumentieren. Ebenso läßt sich die Dauer der "Reise" der Tiere nicht ermitteln. Ich nehme ganz stark an das es sich bei den Tieren um ausgewachsene Molche handelt. Das schließe ich zum einem daraus das es wohl wenige Arten von Hynobius gibt die solch eine Größe erreichen und weil sich die Tiere, zumindest zum Zeitpunkt der Naturentnahme und jetzt noch vorsichtig erkennbar, wohl in Paarungsstimmung befunden haben bzw. wohl auch noch ein bißchen befinden. Auf Grund der äußeren Merkmale (Verbreiteter Schwanz) die für eine Paarungszeit sprechen könnten und dem permanenten Aufenthalt im Wasser zu schlußfolgernd, nehme ich an das die Tiere mit dem Beginn der Paarungszeit im Herkunftsland der Natur entnommen wurden, was sich natürlich nicht bestätigen muß. Deshalb habe ich mich auch entschieden die Tiere bei einem Temperaturbereich von ca. 15°C zu pflegen. Ein Paarungsverhalten konnte ich zu dem damaligen Zeitpunkt nicht beobachten. Welchen Lebensraum die Molche bevorzugen werden läßt sich im Moment nur schwer sagen. Z. Zt. halten sich die Tiere ausschließlich im Wasser auf. Es ist durchaus möglich das die Tiere im laufe des Jahres zu einer terrestrischen oder halbterrestrischen Lebensweise wechseln. Ebenso gut könnte es möglich sein das die Tiere eine rein aquatische Lebensweise führen werden. Dazu scheinen alle größeren Hynobius-Arten (z. Bspl. H. retardus) zu neigen.
Das nächste Problem scheint aber auch dann schon gegeben zu sein, wenn man die Herkunft und die Lage des Vorkommens in Betracht zieht, gesetzt dem Falle es sich um Hynobius amjiensis handelt. Bei einem natürlichen Lebensraum welcher in einer Höhe von 1300 m liegt, zeichnen sich die Haltungs- besser gesagt die anzustrebenden Nachzuchschwierigkeiten von allein ab. Es ist zwar durchaus möglich Tiere aus verschiedenen Höhenlagen zu halten und zu pflegen, aber man wird wohl seltener Nachzuchten erzielen wenn diese Höhendruckverhältnisse nicht annähernd im Aquarium oder einem anderem Behälter imitiert werden können? Zumindest konnte ich das bereits einige male beobachten das sich Tiere, die aus der Wildnis entnommen und anschließend in menschliche Obhut überführt worden sind, zwar sehr gut pflegen aber eben nicht nachzüchten lassen.
Ein weiterer "Vorfall" erscheint mir an dieser Stelle noch unbedingt erwähnungsbedürftig. Ich habe alle 4 Tiere gemeinschaftlich in einem Aquarium gepflegt. Die Tiere haben keinerlei Aggressivität erkennen lassen und hielten sich auch gemeinsam in Verstecken auf. Es hätte aber auch jeder der Molche eigene Versteckmöglichkeiten gehabt. In der Nacht vom 4. zum 5. März 1999 haben sich die vier Tiere gegenseitig sehr starke Bißverletzungen zugefügt. Dabei sind zwei Tiere wesentlich stärker verletzt (siehe Bilder).

 

Bei zwei Tieren sind "nur" Bißverletzungen am Schwanz vorhanden. Die Wunden sind sehr groß und tief. Warum und weswegen es zu diesem Verhalten gekommen ist, kann ich nicht sagen. Auffallend erscheint aber der Umstand das es am 4. März das erste mal ein recht schöner und warmer Tag war. Die Sonne schien ebenfalls den ganzen Tag. Ob dieses Hochdruckwetter die Tiere zu diesem Verhalten, was das Verhalten jetzt auch immer zu bedeuten hat, veranlaßt hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Trotz der starken Verletzungen, dem umgehenden Umsetzen der Tiere in getrennte Aquarien haben die Molche einige Stunden später uneingeschränkt Futter aufgenommen, gierig. Wie man auf den Fotos erkennen kann handelt es sich bei den Tieren um recht kräftige und stattliche Molche. Auch der Schädel und die Kiefer sind sehr gut und kräftig ausgebildet. Deshalb ist es wohl auch nicht verwunderlich das sich die Tiere derart verletzen können. Ein Positivum scheint hier aber auch noch zum Tragen zu kommen: Die Tiere scheinen überhaupt nicht empfindlich zu sein und stecken diese starken Verletzungen wohl auch so ohne weiteres weg.

   
Ende März veränderte sich bei einem Tier die Schwanzform. Die Bilder sprechen für sich.

PeFraDi.
peterfrank.dippold@gmx.net


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Letzte Aktualisierung 12. Oktober 2001.
© AG Urodela; Datum der Erstveröffentlichung: 1. März 1999