Chinesischer Lippenmolch - Pachytriton labiatus

Was es in einem Baumarkt alles gibt. Haltung und Pflege

Das Vorkommen der Pachytriton erstreckt sich über die Bergregionen Süd-Ost-Chinas. Das Verbreitungsgebiet ist sehr groß und beherbergt wohl mehrere Arten um die sich THIESMEIER im besonderen kümmert. Genaue Fundortangaben, zumindest der noch zu klassifizierenten Arten, sind wohl zur Zeit nicht möglich. Hier bedarf es noch erheblicher Forschungsarbeiten. Deshalb sei an dieser Stelle auf die Webseite Taxonomie und Biologie der Gattung Pachytriton verwiesen. Auf dieser Seite sind auch die Tiere nach ihrer vorläufigen Stellung abgebildet, weswegen ich hier auf eine Beschreibung verzichten möchte. Ich selbst konnte in den vergangenen Jahren dreimal Pachytriton pflegen. Einmal pflegte ich zwei P. labiatus über viele Jahre hinweg, welche wahrscheinlich an Altersschwäche gestorben sind. Die zweiten Pachytriton erhielt ich als brevipes. Ich erhielt vier Tiere mit einer Größe zwischen 8 und 9 cm. Am folgenden Tag des Erwerbes lag ein Tier verendet im Aquarium. Die Todesursache ist mir nicht bekannt. Diese Tiere habe ich 1998 Dr. Thiesmeier für seine wissenschaftlichen Forschungsarbeiten überlassen, da es sich nach meinen Recherchen, auf Grund des Artikels von THIESMEIER & HORNBERGER: Paarung, Fortpflanzung und Larvalentwicklung von Pachytriton sp. (Pachytriton A) nebst Bemerkungen zur Taxonomie der Gattung; Salamandra, 33, 2, S. 97, um Tiere des vorläufig als Pachytriton B-Typ bezeichneten Tiere handelt. Zwei Molche der Art Pachytriton B habe ich von ca. März/April bis Sept./Okt. eines jeden Jahres in einem künstlich angelegten Freilandbachlauf erfolgreich gepflegt. Das dritte Tier wurde in einem extra Aquarium gepflegt, da dieses Tier generell verbissen worden ist. Ein drittes Mal pflege ich nun wiederholt Pachytriton labiatus. Diese Tiere habe ich erstmalig in einem großen Deutschen Baumarkt entdeckt, welcher die Molche als ganz ideale "Gartenteichmolche" für DM 6,50 anbot. Die P. labiatus wurden im Herbst feilgeboten und ich wunderte mich über deren Unterbringung im Verkaufsraum und das nach Auskunft des geschulten Verkaufspersonals keiner der Molche verendet ist. Ca. 20 Molche waren in einem Aquarium mit einer Länge von 40 cm und einem Wasserstand von ca. 15 cm untergebracht. Im Wasserteil befanden sich zwei große Steine (aus der Abteilung von nebenan) und eben ca. 20 Pachytriton labiatus. Das diese Haltungsform nicht gut gehen konnte, war mir sofort klar. Ein klärendes Gespräch mit dem Verkaufspersonal brachte auch keinen Erfolg, daß die Tiere doch besser zu trennen seien um ein Verenden vorzubeugen. Nach reichlich vier Wochen suchte ich den Baumarkt erneut auf und entdeckte rein zufällig das Aquarium mit den P. labiatus. Da habe ich nun aber wirklich nicht schlecht gestaunt als ich nach einem Gespräch mit der Verkäuferin erfuhr das es sich noch um dieselben Tiere wie von vor vier Wochen handelt. Einige Tiere wurden sogar verkauft. Dazu seien die Molche ja auch so einfach zu halten. Außerdem fressen die Molche auch Schildkrötenfutter aus der Dose. Diese Information, aber auch der bestialische Gestank der aus dem Aquarium in meine Nase drang, und mein Mitleid mit den Tieren veranlaßte mich die Molche aus ihrem unmöglichen Gefängnis zu befreien. Nun mußte ich 12 Pachytriton so unterbringen, daß es durch die Revierkämpfe und Unverträglichkeiten der Tiere untereinander nicht zu Verlusten kommen kann. Die Unverträglichkeit der Pachytriton untereinander habe ich bei den Tieren bereits bemerkt die ich vorher gepflegt hatte. THIESMEIER & HORNBERG beschreiben in ihrem o. g. Aufsatz ebenfalls diese Unverträglichkeit. Ein Aspekt sollte mir bei der ganzen Sache aber überhaupt nicht einleuchtend sein. Warum vertrugen sich drei Pachytriton in einem ca. 3 Meter langen Bachlauf nicht miteinander, aber 20 Pachytriton in einem Aquarium von 40 cm Länge? Selbst ein Pärchen Pachytriton hat sich zwangsläufig in einem Aquarium von 100 x 40 x 40 cm, ausgestattet mit reichlich Versteckmöglichkeiten nicht permanent vertragen. Männchen und Weibchen untereinander vertragen sich noch seltener. Pachytriton, bei meinen Beobachtungen bezieht das sich auf P. labiatus, bilden in ihren Aquarien Reviere aus die sie auch ganz energisch verteitigen. Die Verteitigung der Reviere kann so weit getrieben werden, daß Eindringlinge so lange vertrieben und verbissen werden bis sie verenden. Um ein Revier ausbilden zu können, benötigen die Molche wahrscheinlich unbedingt auch den notwendigen Raum. Um dieses Revierverhalten einmal zu provozieren oder auch zu unterdrücken verbrachte ich alle 12 P. labiatus in ein Aquarium mit den Maßen 80 x 30 x 30 cm und einem Wasserstand von 15 cm. In das Aquarium baute ich reichlich Versteckmöglichkeiten ein. Alle 12 Molche lebten in friedlicher Eintracht nebeneinander, fraßen und hielten sich auch zu mehreren in Verstecken auf. Ich konnte das einfach nicht glauben, obwohl ich es mit eigenen Augen beobachten konnte. Nach vier Wochen entschloß ich mich dazu, alle Tiere bis auf 2;2 aus dem Aquarium wieder heraus zunehmen. Am gleichen Tag mußte ich auch die zwei Pärchen wieder trennen, da die Molche ihre Aggresivität untereinander wieder auslebten. Die "Massenhaltung" der Pachytiton verusacht zwar keine Verluste, aber man kann die Tiere nicht so erleben wie es ihrer Natur entspricht. Da ich die Pachytriton allerdings lieber mit ihren natürlichen Verhaltensweisen beobachte, verzichte ich auf die "Massenhaltung". Pachytriton ist auch bei Temperaturen von weit unter 8°C noch recht aktiv. Deshalb möchte ich auch bezweifeln ob es möglich und gut ist, die Tiere zu mehreren zu überwintern.
Die Haltung und Pflege der Tiere ist denkbar einfach und komplikationslos, wenn man das Revierverhalten der Molche berücksichtig. Wenn man ein "Überschuß" an Männchen besitzt, kann man diese Tiere auch auf Aquarien oder Aquaterraien verteilen wo andere Urodelen gepflegt werden. Da verhalten sich Pachytriton ganz anders, was wohl auf das fehlen von Artgenossen zurückzuführen ist. Das man die Größe der Tiere, die für eine Vergesellschaftung in Frage kommen beachten muß, sei nur am Rande erwähnt. Auch stört es im allgemeinen nicht, wenn sich die Pachytriton in einem Behälter befinden, wo sich gerade andere Schwanzlurche paaren. Beginnen diese dann mit der Eiablage, sollte man den Pachytriton-Gast auf jeden Fall entfernen. Pachytriton sind kleine Räuber und schrecken nicht davor zurück die Eier und Larven der "Gastgeber" mit größter Hingabe zu verspeisen. Im allgemeinen pflege ich jeweils ein Pärchen P. labiatus in einem Aquarium von ca. 100 x 40 x 40 cm mit reichlich Versteckmöglichkeiten in Form von aufeinander gestapelten großen Steinen und einem Wasserstand von ca. 15 cm. Wasserpflanzen habe ich nur sporadisch eingebracht. Eine Wasserumwälzung erfolgte auch nicht. Das Temperaturspektrum reicht von 0 bis 27°C. Durch die gesamte dt. sprachige Literatur wird als äußerstes Temperaturmaximum 15 bis 17°C angegeben. Temperaturen die darüber liegen würden ohne weiteres das Verenden der Pachytriton zur Folge haben. (Was bin ich froh darüber das meine Pachytriton nicht lesen können!) Die Tiere zeigen ab dem Beginn der aquatischen Phase, wann diese auch immer beginnt, keinen Drang das Wasser zu verlassen. Einzige Ausnahme sind Jungtiere die eine Landphase durchleben, welche THIESMEIER & HORNBERG bis zum einsetzen der Geschlechtsreife vermuten. Ob es tatsächlich so ist oder von Art zu Art unterschiedlich ist, bedarf weiterer Beobachtungen. Die von mir gepflegten Pachytriton B-Typ Tiere, welche ich mit einer Größe von ca. 8 bis 9 cm Gesamtlänge erhielt, pflegte ich von Anfang an in einem Aquarium wie oben beschrieben und möchte die Vermutung aufstellen das die Pachytriton zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschlechtsreif waren. Die Molche habe ich bis zum adulten Statium im Wasser gepflegt und dann abgegeben.
Das Nahrungsspektrum der Pachytriton umschließt eigentlich alles was in ihr Maul paßt.

PeFraDi.
peterfrank.dippold@gmx.net


^ Zurück zum Anfang
Copyright-Informationen: Diese Seiten wurden von Peter Frank Dippold in Zusammenarbeit mit interessierten UrodelenfreundenInnen angefertigt. Die Verwendung der Seiten ist jedem Interessenten Frei gestellt. Wir bitten die Arbeit zu respektieren und eine mißbräuchliche Verwendung auszuschließen. Für Verwendungen von hier veröffentlichten Texten setzen Sie sich bitte mit dem jeweiligen Autor in Verbindung.
Die Weiterverwendung der Bilder ohne die Erlaubnis der Bildautoren ist untersagt!
Bei Fragen und Unklarheiten wenden Sie sich bitte an die jeweiligen Autoren.
Letzte Aktualisierung 12. Oktober 2001.
© AG Urodela; Datum der Erstveröffentlichung: 1. März 1999